Zum Inhalt springen

Deutsche Mehrkampf-Meisterschaften in Hannover – Jannik Ries und Martha Wörner erfolgreich

Am vergangenen Wochenende fanden in Hannover, im Erika-Fisch-Stadion, die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Aktiven und Jugend statt.

Schon beim Frühjahrswettkampf der LG Welfen in Weingarten hatten sich Jannik Ries (ASV Waldburg/männliche Jugend U20) mit 5853 Punkten und Martha Wörner (TV Weingarten/weibliche Jugend U18) mit 4675 Punkten für ihre erste deutsche Meisterschaft qualifiziert. Bei den Baden-Württembergischen Mehrkampf-Meisterschaften Anfang August in Weingarten steigerte sich Wörner sogar noch auf 4789 Punkte.

Die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft gestaltete sich dennoch bei Ries nicht ganz einfach, da er einige Wochen durch eine Knochenhautentzündung im Training ausgebremst wurde und auch an vorbereitenden Einzel-Wettkämpfen nicht teilnehmen konnte. Erst in den letzten 2 Wochen war noch ein Technik- aber kein Aufbautraining im Tempolaufbereich mehr möglich, so dass die Teilnahme unter vielen Fragezeichen stand.

Gemeldet auf Platz 31 bei 38 Teilnehmern ging Ries dann am Freitagvormittag an den 100 Meter-Start und konnte gleich mit einer Mehrkampf-Bestleistung von 11,60 Sekunden glänzen. In der Folge gelangen ihm auch im Weitsprung schöne, passende Anläufe; er steigerte sich von 5,95 Meter, über 6,11 Meter auf 6,22 Meter, was nur 1 Zentimeter unter seiner Bestleistung lag. Das sehr wechselhafte Wetter machte ihm dann vor allem beim Kugelstoßen zu schaffen, denn es regnete in Strömen, so dass er mit 10,72 Metern unter diesen Umständen noch zufrieden sein konnte. Auch beim Hochsprung regnete es zu Beginn noch heftig – da dem Veranstalter aber durch die hohen Teilnehmerzahlen über diesen 3tägigen Wettkampf hinweg keine Pause oder Verschiebung möglich war, wurde der Wettbewerb pünktlich gestartet – und, glücklicherweise hatte der Wettergott ein Einsehen, hörte es just in diesem Moment auf zu regnen, die Bahn trocknete ab und es konnte unter regulären Bedingungen gesprungen werden. Ries begann auf Nummer Sicher mit der Einstiegshöhe von 1,59 Metern, ließ denn zunächst jede zweite Höhe aus und sprang erst ab 1,71 jede Höhe, steigerte sich in 3-Zentimeterschritten bis auf seine persönliche Bestleistung (pB) von 1,77 Meter und riss die 1,80 Meter nur denkbar knapp. Die 400 Meter bewältigte er in 52,32 Sekunden zwar um etwa 1 Sekunde langsamer als in Weingarten, aber durch die Verletzungsvorgeschichte konnte er auch hierbei sehr zufrieden sein.

Am darauffolgenden Samstag startete sein Wettkampf mit den 110 Meter Hürden. Dabei sind 10 Hürden mit 99 Zentimeter Höhe zu überqueren. Da sich in Hannover die Athleten auf einem kleinen Nebenplatz neben dem Stadion schon an den Hürden einlaufen können, konnte seine Trainerin ihm dort nochmals wichtige Tipps zur aktiven Armarbeit geben, die er dann in seinem Lauf gewinnbringend umsetzte. Zunächst allerdings touchierte er die ersten beiden Hürden so stark, dass er kurzfristig ins Straucheln kam – alle hielten den Atem an, denn ein Sturz gleich zu Beginn des Hürdensprints stand im Raum. Ries konnte sich glücklicherweise abfangen, lief von da an fehlerfrei und mit persönlicher Bestzeit von 15,86 Sekunden ins Ziel. Nach diesem Auftakt nach Maß ging er optimistisch an die weiteren Disziplinen heran. Im Diskuswerfen erzielte er mit seinem einzigen gültigen Wurf 27, 65 Metern 4 Meter mehr als in Weingarten, war also weiterhin auf Bestleistungskurs. Das fehlende Training machte sich dann beim Stabhochsprung in gewissen Unsicherheiten bei Anlauf und Absprung bemerkbar. Dennoch kam er mit 3,40 Metern auf eine respektable Höhe. Zwar zeigte er beim Speerwerfen im Training immer wieder technisch gute Würfe, allerdings waren diese so selten, dass niemand damit rechnen konnte, dass ihm alle drei Würfe über seiner bisherigen Bestleistung gelingen würden. Schon der erste Wurf segelte auf 43,50 Meter – 5 Meter über pB! Den abschließenden 1500 Meter-Lauf bewältigte er dann in starken 4:53,52 Minuten, erzielte 5924 Punkte (Platz 21) und strahlte mit seiner Fangemeinde – Opa, Papa und Onkel – um die Wette.

Martha Wörner (TV Weingarten), die zwar schon über ein halbes Jahr in Weingarten trainiert, aber auf Grund von Wechselbestimmungen noch für den VfB Friedrichshafen startet, startete am Samstag mit einem perfekten Lauf über die 100 Meter Hürden in persönlicher Bestzeit von 14,86 Sekunden. Dennoch stand kurz nach dem Lauf „disqualifiziert“ in der Ergebnisliste. Diese schockierende Nachricht musste zunächst übers Wettkampfbüro aufgeklärt werden – die Bahnrichter hatten diese Bemerkung für die falsche Bahn eingetragen. So konnte Wörner wieder guten Mutes den Hochsprung angehen. Schon bei der Generalprobe in Fischbach zwei Wochen zuvor gelang ihr mit 1,66 Metern eine persönliche Bestleistung, die sie nun in Hannover einstellen und fast sogar die 1,69 Meter überfloppen konnte. Sie berührte nur hauchdünn und die Latte wackelte kaum – dennoch fiel sie noch herunter. Beim anschließenden Kugelstoßen war sie mit ihrer Weite von 9,27 Metern nicht zufrieden und überlegte gemeinsam mit ihrer Trainerin, auf die Angleittechnik zu wechseln. Die 200 Meter, die sie in 26,45 Sekunden (pB) absolvierte, versöhnte sie dann aber wieder mit ihren Leistungen des ersten Tages, mit denen sie auf Siebenkampf-Bestleistungskurs lag.

Am Sonntag startete sie mit Weitsprung, dessen Anlauf sie erst vor kurzem von 12 auf 14 Schritte erweitert hatte, was sofort zur Weitensteigerung geführt hatte. Auch in Hannover kam sie mit 5,29 Metern nahe an ihre Bestleistung von 5,33 Metern heran. Das Speerwerfen gelang Wörner zu Jahresbeginn mit über 35 Metern richtig gut – leider konnte sie diese Leistung aber sowohl in Weingarten als auch nun in Hannover nicht mehr abrufen – bedingt vielleicht durch die kräftezehrende lange Saison aber auch durch extreme Windverhältnisse, die in Hannover ihren Speer steil in die Luft steigen ließen. Dennoch platzierte sie sich mit 30,45 Metern durchaus noch im Mittelfeld der U18-Mädchen. Beim abschließenden 800-Meter-Lauf ließ sie aber nichts anbrennen. Sie lief ein taktisch kluges Rennen, überholte auf der zweiten Runde schon auf der Gegengeraden die beiden vor ihr laufenden Athletinnen und stürmte in der Tagesbestzeit von 2:21,09 Minuten ins Ziel. Damit erkämpfte sie sich 4838 Punkte und den hervorragenden 13. Platz.

Herzlichen Glückwunsch!

W. Rosenfelder